IM SPHÄRISCHEN SPIEGEL

oder Befragungen am Ende der Nacht

von Sonja Graf

 

"Der Traum weist nicht in die Vergangenheit. Im Gegenteil, er deutet allein auf unser künftiges Handeln hin. (…) Mit den Träumen stellen wir uns gegen die Zeit."

 

Im Jahr 1786 soll eine Maultierkarawane vierzig Packen mit Wachspräparaten, menschlichen Ganzkörperfiguren und einzelnen Organnachbildungen, aus Italien über die Alpen nach Wien transportieren. Der Bedienstete Kranz, Aufsicht im hiesigen anatomischen Institut, wartet indes seit Wochen vergeblich auf die sensationelle Ladung, die nicht eintrifft. Stattdessen wird die wissenschaftliche Unternehmung von der zwielichtigen Konkurrenz belauert und manipuliert. Denn sowohl ein verkrachter Feldchirurg mit kriminellem Potential als auch ein umtriebiger Okkultist nebst seinem fragwürdigen Hofstaat, bestehend aus dem Medium Lorenza Feliciani sowie dem ausrangierten Affen eines aufgeklärten Naturforschers, wittern das große Geschäft mit den Wachsfiguren. Doch ungeachtet dessen, dass das Tier seinem Herren buchstäblich das alchemistische Wissen aus den Schriften frisst, da es die Realität von der Fiktion nicht zu unterscheiden vermag, eilt der Betrug der medizinischen Erneuerung voran. Als sich die Tore des Instituts schließlich öffnen, mischen sich die Toten selbst ins Geschehen. Und wie nebenbei unterhalten sich ein Analytiker und ein Surrealist über das Verhältnis von Psyche, Autorität und Macht – ein Wechselspiel zwischen den Zeiten …

 

Das Theater des hölzernen Gelächters stellt mit der Uraufführung von „Im sphärischen Spiegel“ die Zeitlichkeit des modernen Menschen und den Umgang mit ihr in den Brennpunkt seines Interesses. So drängen sich in die Wirklichkeiten von Raum und Zeit die Gesichte von Nacht und Traum, die einzig die Alchemie oder die Kunst zu bändigen vermag. 

 

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