YERMA

ein tragisches Traumspiel

nach Federico García Lorca

 

- „Und deine Schwägerinnen?“ – „Tot sollst du mich sehen und ohne Leichentuch begraben, wenn ich jemals das Wort an sie richte.“ - „Und dein Mann?“ – „Sind zu dritt gegen mich.“ – „Was denken sie?“ – „Phantastereien. Von Leuten, die kein ruhiges Gewissen haben. Die glauben, dass mir ein anderer Mann gefällt und wissen nicht, dass selbst wenn mir einer gefiele, die Ehre in meiner Familie über alles geht. Wie Steine sind sie auf meinem Weg. Und wissen nicht, dass ich, wenn ich nur will, wie das Wasser im Bach sein kann, das sie hinwegspült.“ 

 

Irgendwo im spanischen Süden auf dem Dorf. Die Hitze brütet. Die Zeit steht. Am Ende der Welt weist die alte Ordnung der Bauern noch immer „die Schafe aufs Feld, die Frauen ins Haus“. Yerma wurde von ihrem Vater an Juan verheiratet. Gegen ihren innigsten Wunsch bleibt die Ehe kinderlos. Der Mann ist unfruchtbar. Unfähig zur Liebe zählt er nachts sein Geld. Schwächlich und unsicher fürchtet er nichts mehr als den Klatsch und Tratsch der Leute und holt seine Schwestern ins Haus. Doch Yerma sucht außerhalb der engen vier Wände, auf der Straße, allein den Rat der anderen Frauen. Ein Abweichen von ihrem Weg verbietet auch ihr die Ehre, die Gesetzmäßigkeit ihrer eigenen Natur. Flucht ist unmöglich. Und so verlässt Victor, der Hirte, den Ort, obwohl die Luft noch immer zu flirren beginnt, wenn Yerma ihm begegnet, da sie vor langer Zeit einmal mit ihm getanzt hat. Der Besuch der Kinderlosen, Unerfüllten bei einer Geisterbeschwörerin zielt ins Leere und die Wunder der Wallfahrt am heiligen Quell, die Affären mit anderen, bleiben Yerma versagt. Bis sich die Tragödie der Einsamkeit in der Katastrophe vollendet …

 

Für sein dramatisches Gedicht „Yerma“ überführte Federico García Lorca (1898 – 1936), der den Titel den bäuerlichen Begriffen für ‚wüstes, leeres Land‘ entnommen hat, das alte, südländisch-beliebte Komödienmotiv des Hahnreis in die Tragödie. Dementsprechend verweigert die erdhafte Ballade voll Poesie und Bilderreichtum jeglichen psychologischen Erklärungsansatz, kommentiert der gleichsam antike Chor der Wäscherinnen den Kampf gegensätzlicher Lebensprinzipien, der Natur gegen die Konvention, des Neuen gegen das Alte. Der Dichter behauptet die Freiheit des unterdrückten Individuums, indem er den Traum und die Sehnsucht gegen die Härte einer unerträglichen Realität setzt und eine archaisch-ausgelassene Fruchtbarkeitsmystik der tragischen Klage entgegenstellt. Das Theater des hölzernen Gelächters folgt Lorca über staubige Landstraßen in die hitzige Nacht glühender Jasminblüten und in eine scheinbar versunkene Welt.